Die Potenzierung

Anfangs arbeitete Hahnemann noch mit rohen Arzneisubstanzen, also mit unpotenzierten Arzneien. Die Einnahme teilweise giftiger und vor allem homöopathisch (also nach dem Ähnlichkeitsprinzip) gewählter Arzneistoffe löste jedoch mitunter sehr heftige Erstreaktionen aus. Um diese zu reduzieren, begann Hahnemann ab 1798 die Mitteldosierung immer mehr zu verringern und die Substanzen schließlich zu verdünnen. Allerdings zeigte sich mit zunehmender Verdünnung irgendwann natürlich auch keine Arzneiwirkung mehr.
Durch weiteres Experimentieren fand er schließlich heraus, dass sich die schrittweise verdünnten Mittel durch die mechanische Einwirkung des Reibens und Schüttelns so dynamisierten, dass sich die spezifischen Arzneikräfte einer Substanz entfalten und verstärken ließen.

Zudem konnte Hahnemann beobachten, dass sogar bei Stoffen, wie z. B. Kochsalz, Graphit oder verschiedene Metalle, welche im rohen Zustand keine besonderen Heilwirkungen besitzen, durch dieses Dynamisieren bzw. Potenzieren (lat. potentia = Kraft, Macht) eine enorme Arzneikraft-Entwicklung stattfand und sie somit erst zu eigentlichen Arzneien wurden.

Hahnemanns Anmerkung zu Dynamisationen (Organon der Heilkunst §269):

Man hört noch täglich die homöopathischen Arznei-Potenzen bloß Verdünnungen nennen, da sie doch das Gegentheil derselben, d. i. wahre Aufschließung der Natur-Stoffe und zu Tage-Förderung und Offenbarung der in ihrem innern Wesen verborgen gelegenen, specifischen Arzneikräfte sind, durch Reiben und Schütteln bewirkt, wobei ein zu Hülfe genommenes, unarzneiliches Verdünnungs-Medium bloß als Neben-Bedingung hinzutritt. Verdünnung allein, z. B. die, der Auflösung eines Grans Kochsalz, wird schier zu bloßem Wasser; der Gran Kochsalz verschwindet in der Verdünnung mit vielem Wasser und wird nie dadurch zur Kochsalz-Arznei, die sich doch zur bewundernswürdigsten Stärke, durch unsere wohlbereiteten Dynamisationen, erhöhet.

Dr. Samuel Hahnemann

Anders als oftmals angenommen, spielt beim Prozess der Potenzierung also nicht nur die bloße Verdünnung, sondern vor allem auch das Verreiben und Verschütteln eine große Rolle. Dabei wird immer nur stufenweise in einem bestimmten Verhältnis verdünnt und jeweils dynamisiert. Eine genaue Anleitung zur Herstellung der Arznei-Potenzen hat Hahnemann in seinem Organon der Heilkunst beschrieben.
So wird z. B. bei den C-Potenzen 1 Teil der Ursubstanz mit 99 Teilen einer neutralen Trägersubstanz (z. B. Milchzucker oder Alkohol) verrieben bzw. verschüttelt. Von der so gewonnen C1 wird wieder ein Teil entnommen und mit weiteren 99 Teilen Trägersubstanz verdünnt und verrieben bzw. verschüttelt, um eine C2 zu erhalten usw. Dabei ist für die Verschüttelung bei jedem dieser Potenzierungsschritte ebenfalls eine vorgegebene Anzahl von Schüttelschlägen festgelegt.

Neben der heute noch am häufigsten verwendeten C-Potenzreihe gibt es außerdem die D- und Q-/LM-Potenzen:

Potenzreihe Verdünnungs­verhältnis Schüttel­schläge
D (Dezimal) - Potenz 1 : 10 10
C (Centesimal) - Potenz 1 : 100 10
Q / LM (Quinquaginta­millesimal) - Potenz 1 : 50.000 100

Die Buchstaben bezeichnen also das Verdünnungsverhältnis, die Zahl dahinter gibt die Anzahl der Potenzierungsschritte an.

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